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Informationen zum Thema Modulare Qualifizierung

Das Kölner Bildungsmodell – Ein Vorbild für andere Regionen?

Das Kölner Bildungsmodell entstand 2014 aus einer Situation heraus, die Sie in Ihrer Region sicherlich ebenfalls kennen: Unternehmen klagten über sich immer weiter verschärfenden Fachkräftemangel– gleichzeitig gab es in Köln etwa 11.200 Arbeitslose zwischen 25 und 35, von denen 70 Prozent keinen Berufsabschluss im Sinne von SGB II hatten, dafür aber über eine Vielzahl berufsrelevanter Kompetenzen verfügten.

 

Qualifizierung schafft Sicherheit

Klar war, dass eine Qualifizierung in jedem Fall eine positive Auswirkung auf die Arbeitsmarktsituation dieser Personengruppe haben würde. Insbesondere An- und Ungelernte sind stark von Arbeitslosigkeit bedroht, denn ihre Stellen werden bei Personallabbau in aller Regel zuerst eingespart. Auch lässt sich bei Personen ohne Ausbildung/Qualifizierung ein hoher „Drehtür-Effekt“ feststellen: Nahezu die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse von ehemaligen Arbeitslosen ohne Ausbildung/Qualifizierung endeten bereits innerhalb der ersten sechs Monate wieder. Dabei folgten auf kurze Beschäftigungsphasen meist lange Phasen der Arbeitslosigkeit. Nur durch eine – auf den Berufsabschluss ausgerichtete – Qualifizierung lässt sich diese Situation verbessern.

 

Qualifizierung muss dem Bedarf der Zielgruppe entsprechen

Die zentralen Faktoren, die den Abschluss einer Ausbildung/Qualifizierung bei der Zielgruppe des Kölner Bildungsmodells verhindern, sind neben einer, durch vielfältige Erfahrungen schulischen Scheiterns bedingten Lernmüdigkeit, vor allem eine fehlende Zielorientierung und ein fehlendes Durchhaltevermögen. Zusammen führen diese Faktoren dazu, dass der Erfolg einer regulären Umschulung bei der Zielgruppe äußerst ungewiss ist. Einerseits scheinen die fachlichen Anforderungen zu hoch für Personen, die sich selbst ein schulisches Lernen nicht mehr zutrauen. Andererseits ist die Zeitspanne einer Umschulung so lang, dass Personen ohne klare Zielvorstellungen und mit gering ausgeprägtem Durchhaltevermögen bereits zu Beginn durch eine hohe Unsicherheit und Versagensängste belastet werden. Die große Frage, auf die das Kölner Bildungsmodell eine Antwort ist, war also 2014: Wie muss eine Qualifizierung „gestrickt“ sein, die der Bedarfslage der Zielgruppe bestmöglich entspricht.

Das Kölner Bildungsmodell: Qualifizierung, die passt

Mit Blick auf den Fachkräftemangel sowie die hohe Zahl von Arbeitslosen setzte sich das „Kommunale Bündnis für Arbeit Köln“ 2014 das Ziel, ein Modell zu erarbeiten und umzusetzen, das sowohl den Herausforderungen als auch den Bedarfen der Zielgruppe gerecht werden sollte. Ausgehend von Fallstudien und im intensiven Austausch mit allen arbeitsmarktrelevanten Akteuren in Köln entstand so das Kölner Bildungsmodell.

Es ist gekennzeichnet durch ein Konzept, das die Phasen Profiling, modulare Qualifizierung und Prüfungsvorbereitung mit einem begleitenden Coaching und einer Zertifizierung einzelner Module durch die Kammern verbindet. Zwischen einzelnen Modulen sind Unterbrechungen möglich. Ein Einstieg in die weitere Qualifizierung ist in einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren jederzeit wieder möglich. Nach Abschluss aller Module kann durch die Externenprüfung ein Berufsabschluss erworben werden.

Zielgruppe des Kölner Bildungsmodells sind junge Erwachsene zwischen 25 und 35, die zwar über einen Hauptschulabschluss, aber keinen verwertbaren Berufsabschluss verfügen. Wichtig für eine Teilnahme am Kölner Bildungsmodell ist zudem das Vorhandensein einer spürbaren Motivation, einen Berufsabschluss zu erlangen und eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen einen Berufsabschluss im Rahmen einer regulären, also verkürzten Umschulung erreichen können. Durch seine Flexibilität – also den modularen Aufbau, die Möglichkeit zu Unterbrechungen aber auch das begleitende Coaching – kommt das Kölner Bildungsmodell der Bedarfslage der Zielgruppe sehr entgegen.

Erfolgsfaktoren: ausreichend Zeit, schnelle Erfolge, persönliche Begleitung

Menschen, die bisher an vielen Bildungsmaßnahmen gescheitert sind, erreichen im Kölner Bildungsmodell erfolgreich einen Berufsabschluss. Dafür sind vor allem drei Erfolgsfaktoren ausschlaggebend: Erstens erhalten die Teilnehmenden am Kölner Bildungsmodell – durch eine auf drei Jahre angelegte Dauer aller Module eines Berufs sowie die Möglichkeit zur Unterbrechung – ausreichend Zeit für die Qualifizierung. Denn die im Vergleich zur klassischen Umschulung verlängerte Förderdauer ist notwendig, um den individuellen Vermittlungshemmnissen der Zielgruppe gerecht zu werden. Zweitens ermöglicht der modulare Aufbau zusammen mit der Zertifizierung aller Module durch die Kammern schnelle Erfolge. Das stärkt das Selbstvertrauen und ermutigt weiterzumachen. Drittens schließlich gibt die persönliche Begleitung durch einen Coach den Teilnehmenden Sicherheit. So können auch persönliche Krisen überwunden werden, ohne dass die Qualifizierung darunter leidet oder sogar abgebrochen wird.

 

Kooperation als Grundlage des gemeinsamen Erfolgs

Blickt man auf die Geschichte des Kölner Bildungsmodells seit 2014, lässt sich festhalten: Ohne die gemeinsamen Anstrengungen der Partner im „Kommunalen Bündnis für Arbeit Köln“ sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Kostenträger, Kammern und Bildungsträgern wäre weder die Konzeption noch die Umsetzung des Kölner Bildungsmodells gelungen. Der große Erfolg des Modells war nur mit vereinten Kräften zu erreichen.

Mehr Informationen um Hintergrund des Kölner Bildungsmodells

Im downloadbaren PDF sind die wichtigsten Eckpunkte zum Kölner Bildungsmodell aufgelistet. Neben Informationen zur Zielgruppe, zum Ablauf und zu Erfolgsfaktoren, gibt das Dokument einen Überblick über rechtliche Grundlagen und Finanzierung des Kölner Bildungsmodells

Kontakt

Sprechen Sie bei Interesse gerne das Jobcenter Köln an

E-Mail: jobcenter-koeln.presse@jobcenter-ge.de