Was ist das Kölner Bildungsmodell?

Mehr zum Thema Modulare Qualifizierung

Das Kölner Bildungsmodell im Überblick

Kölner Bildungsmodell Metallbauer*in

Das Kölner Bildungsmodell ist eine Initiative des Kommunalen Bündnisses für Arbeit in Köln. Ziel ist es, erstens den Fachkräftebedarf in der Region Köln zu decken und zweitens jungen Erwachsenen den Erwerb eines Berufsabschlusses sowie die Integration in Arbeit zu ermöglichen. Um beide Ziele zu erreichen, bietet das Kölner Bildungsmodell insbesondere für die Zielgruppe der 25 – 35-jährigen eine modulare Qualifizierung an.

Diese kann begleitend zur Beschäftigung oder in Phasen der Arbeitslosigkeit durchlaufen werden. Das trägt dazu bei, dass auch in schwierigen Lebensphasen die Motivation weiter am Erwerb eines Berufsabschlusses dran zu bleiben erhalten bleibt.

Zielgruppen und Voraussetzungen

Das Kölner Bildungsmodell richtet sich seit 2014 an junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren, die einen Hauptschul- oder vergleichbarem Abschluss, jedoch keinen qualifizierten Berufsabschluss besitzen. Arbeitsbiographien mit vielfältigen Brüchen sind kein Hinderungsgrund an der Teilnahme. Seit 2018 steht die Maßnahme auch Menschen mit Fluchterfahrung zur Verfügung. Für diese Zielgruppe wird die Qualifizierung mit einem zusätzlichen Sprachmodul angeboten.

Konzept und Aufbau

Das Kölner Bildungsmodell hat drei Phasen

Phase 1: Profiling

Im Rahmen der zwei wöchigen Potenzialanalyse wird durch verschiedene Tests festgestellt, ob der Teilnehmende die Anforderungen für eine Qualifizierung auf Ausbildungsniveau erfüllt. Weiterhin wird herausgefunden, ob eine Eignung für einen oder mehrere Berufsfelder, die im Kölner Bildungsmodell angeboten werden, vorliegt. Im Rahmen der vier wöchigen Eignungsfeststellung können sich die Teilnehmenden an verschiedenen Arbeitsplätzen ausprobieren. Der Einblick in die zukünftigen Aufgaben bildet die Basis einer gut informierten Entscheidung für oder gegen einen Beruf. Während des Profilings steht dem Teilnehmenden ein Coach zur Seite. Die Ergebnisse der Potenzialanalyse werden in einem Bericht zusammengefasst, der über den gesamten Verlauf der modularen Qualifizierung fortgeführt wird.

Phase 2: Modulare Qualifizierung

Die modulare Qualifizierung ermöglicht es den Teilnehmenden, den langen Weg bis zum Berufsabschluss in überschaubare Abschnitte aufzuteilen. Dabei wird jedes Modul zu 2/3 in Werkstätten, Lehrküchen, o.ä. bei einem Bildungsträger  und zu 1/3 in Betrieben durchgeführt. Die vier bis zehn Module pro Ausbildung schließen jeweils mit Kompetenzfeststellungen und der Verleihung eines Zertifikats der HWK oder der IHK zu Köln ab. Diese Verleihung ist für die Teilnehmenden ein wichtiges Erfolgserlebnis. Nach dem Abschluss eines Moduls, besteht die Möglichkeit zu pausieren, weitere Module zu absolvieren oder sich mit der erworbenen Qualifizierung einen Arbeitsplatz zu suchen.

Phase 3: Prüfungsvorbereitung

Bei Durchlaufen aller Qualifizierungsmodule eines bestimmten Berufs erfolgt das abschließende Modul in Form einer gezielten Prüfungsvorbereitung. Hier geht es in erster Linie darum, prüfungsrelevanten Lernstoff und Arbeitsproben zu üben und zu wiederholen, vor allem auch dann, wenn die Module bereits länger zurückliegen. Zu den Schwerpunkten in dieser Vorbereitungsphase zählen die Lernberatung, das Minimieren von Prüfungsängsten, Prüfungstrainings und -simulationen.

Begleitendes Coaching

Während der gesamten Teilnahme am Kölner Bildungsmodell werden die Teilnehmenden durch ein begleitendes Coaching unterstützt. Die Coaches können jederzeit angesprochen werden, sie unterstützen die Teilnehmenden bei allen Schritten der Qualifizierung von der Lernplanung bis hin zur Prüfungsvorbereitung. Sie intervenieren bei Anpassungsschwierigkeiten im Praktikumsbetrieb und helfen auch bei persönlichen Problemen. In Phasen der Arbeitslosigkeit tragen die Coaches Sorge dafür, dass Teilnehmende nicht unüberlegt aus der Qualifizierung ausscheiden. Sowohl bei Arbeitsaufnahme als auch Arbeitslosigkeit läuft das Coaching weiter, solange die Teilnahme am Kölner Bildungsmodell weiter besteht.

Berufe im Kölner Bildungsmodell

Ergebnisse der Evaluation

Zwischen 2017 und 2018 wurde das Kölner Bildungsmodell evaluiert. Ziel der Evaluation war es, Erfolge sowie Verbesserungspotenziale aufzuzeigen. Dadurch sollte die Wirkung des Modells gestärkt und Standards für ein bundesweites System der modularen Qualifizierung erarbeitet werden. Die Evaluation wurde von der Bertelsmann Stiftung, dem Jobcenter und der Stadt Köln gefördert. Durchgeführt wurde die Untersuchung vom unabhängigen Evaluationsbüro Interval in Berlin. Im Rahmen der Evaluation wurden sowohl Projektverantwortliche, Projektdurchführende, Teilnehmende als auch Unternehmen befragt. Neben einer Auswertung der Monitoringdaten der Bildungsträger wurde auch eine standardisierte Umfrage unter aktuellen und ehemaligen Teilnehmenden durchgeführt.

Der Evaluationsbericht kann in der Kurz- als auch Langfassung hier heruntergeladen werden.

Das Kommunale Bündnis für Arbeit Köln

Das kommunale Bündnis für Arbeit ist ein seit 2005 etabliertes Gremium, in dem sich Akteure der Kölner Wirtschaft und des Kölner Arbeitsmarkts austauschen. Diese kommen regelmäßig unter dem Vorsitz der Oberbürgermeisterin beziehungsweise des Oberbürgermeisters zusammen, um gemeinsam Verantwortung für die kommunale Arbeitsmarktpolitik zu übernehmen.

Das kommunale Bündnis für Arbeit bildet eine Plattform für den Austausch mit Expertinnen und Experten, ist Katalysator gemeinsamen Handelns und initiiert nicht zuletzt konkrete Maßnahmen, die dann von den Beteiligten umgesetzt werden.

Erklärtes Ziel des Bündnisses ist es, gemeinsam auf aktuelle Tendenzen und Entwicklungen im Bereich Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu reagieren, bereits existierende Initiativen zu vernetzen und dadurch zu stärken sowie neue Projektansätze zu koordinieren und zu bündeln, um so Beschäftigungsimpulse auf kommunaler Ebene zu setzen.

Geschichte und Bedeutung der Kooperation

Ausgangspunkt der Entwicklung des Kölner Bildungsmodells war das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit in Köln. Um dieses Problem zu lösen, setzte sich das Kommunale Bündnis für Arbeit Köln mit allen für den Kölner Arbeitsmarkt relevanten Akteuren zusammen. Ziel der strategischen Partnerschaft war es innovative Konzepte zu entwickeln, die zur Lösung des Problems beitragen könnten und deren Entwicklung wie Umsetzung in einem schnellen, unbürokratischen Abstimmungsprozess aller Beteiligten voranzubringen. Ergebnis des Prozesses war das Kölner Bildungsmodell, so wie es seit dem 01. April 2014 partnerschaftlich umgesetzt wird.

Vieles deutet – nicht zuletzt mit Blick auf die Ergebnisse einer Evaluation aus dem Jahr 2018 – darauf hin, dass das Kölner Bildungsmodell Pate für Deutschland stehen kann, wenn es darum geht, Menschen ohne Berufsabschluss zu qualifizieren. Nicht zuletzt, weil das Modell zeigt wie modulare Qualifizierung zum Erfolgsmodell wird.

Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Umsetzung des Kölner Bildungsmodells war dabei sicher die hohe Identifikation der Akteure mit der Aufgabenstellung, und deren aktive Beteiligung an der Erarbeitung von Lösungsansätzen sowie deren gemeinsamer Umsetzung.

Ein Steuerungskreis, bestehend aus den Bündnismitgliedern Jobcenter Köln, Industrie- und Handelskammer zu Köln, Handwerkskammer zu Köln, Arbeitsagentur Köln, Arbeitsmarktförderung der Stadt Köln, DGB Köln Bonn sowie den Maßnahmenträgern Bildungszentrum Butzweilerhof, der Handwerkskammer zu Köln, dem Kolping-Bildungswerk Diözesanverband Köln e.V. und dem Zentrum Bildung und Beruf Michaelshoven, begleitet das „Kölner Bildungsmodell“ seit seinem Start kontinuierlich.

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